Begegnung mit Ramesh
von Esther Veltheim
Übersetzung: Gerd-Lothar Reschke.
Veröffentlichung mit Genehmigung der Autorin
Vor ungefähr acht Jahren entdeckte ich zuerst die Lehren von Ramana Maharshi. Bis dahin war ich mehr von Psychologie fasziniert gewesen, speziell Jung. Philosophie klang für mich
eher wie ein einschüchterndes Wort und das wenige, was ich gelesen
hatte, berührte mich nicht besonders. Es ist klar, daß
Lehren erst dann zu einem kommen, wenn man dafür bereit ist,
also war ich vermutlich ein Spätzünder.
Gedanken über "Erleuchtung" waren mir nie begegnet. Während meiner
Zeit in Indien hatte ich absolut keinen Drang verspürt,
auf die Suche nach Gurus zu gehen. Um genau zu sein, hatte ich
sogar eine Abneigung gegen die bloße Idee. Aus meiner
begrenzten Perspektive sah es so aus, als wären die
Nachfolger von Gurus ziemlich von diesen abhängig.
Der einzige Gegenstand, über den ich nachgedacht hatte,
war, sich selbst zu erkennen. Ich wollte wissen, warum
ich in der Art "tickte", wie ich es tat. Aber obwohl mich,
sogar noch in meinen Vierzigern, Freunde damit aufzogen:
"Was machst Du, wenn Du mal erwachsen wirst?", war mir die
Vorstellung eines letztendlichen Lebenssinns nie in den
Sinn gekommen.
Merkwürdigerweise fiel es mir erst neulich auf, daß ich mich
niemals gefühlt hatte, als würde etwas fehlen, irgendein Sinn
oder Nutzen. Ich stellte auch nie den Zweck des Lebens in Frage —
auch nicht während meiner häufigen Anfälle von Depression.
Während meiner Kindheit beobachtete ich Erwachsene mit
einem "Zweck" genauer und sie fielen mir nie als besonders
glücklich auf. So sehr ich es auch versuchte, ich konnte mir
doch nicht vorstellen, warum unglückliche Erwachsene
dachten, sie könnten mir ein Lebensrezept vermitteln.
Der einzige Drang, der mich bewegte, war wahrscheinlich
das Verlangen, mich selbst zu verstehen.
Als Kind war ich am glücklichsten gewesen, wenn ich
meine Zeit allein in meinem geheimen Unterschlupf in den
nahen Wäldern verbringen konnte. Als Erwachsene reiste
ich die meiste Zeit über allein, obwohl ich sehr viel umherreiste.
Wenn Beziehungen eintraten, waren sie gewöhnlich eine Mischung aus Seelenqual und Hochstimmung. Es war klar, daß sie mich auf die Aspekte meiner selbst schauen
ließen, die ich vermeiden konnte, wenn ich allein war. Insgesamt zeigten sie mir, wer ich nicht war, und das schien ihr Vorteil zu sein.
Im Jahre 1989, als mich eine pharmazeutische Nervenvergiftung traf, geriet ich in einen Zustand der Überforderung. Ich hatte keine Kontrolle über meine kurzfristigen Handlungen mehr und konnte auch nicht mehr als Lehrerin bzw. in der Körperarbeit tätig sein, ja nicht einmal mehr lesen. Mein Denken wurde unzusammenhängend und der Teppich wurde unter meiner bisherigen Identität fortgezogen. Obwohl ich lange versucht
hatte, mich selbst zu verstehen, fragte ich mich jetzt zum
ersten Mal die Frage "Wer bin ich?"
Ein paar Jahre später, als Ramanas Lehren der Selbstforschung
mir über den Weg gerieten, machten sie auf einmal vollständig
Sinn. Meine Lesefähigkeit war wegen der Nervenschädigung immer
noch auf eine Seite pro Tag beschränkt, aber die Prinzipien
dieser Lehre erforderten kein längeres Lesen.
Ungefähr ein Jahr später, mit einem Körnchen von Begreifen
versehen, traf ich auf die Bücher von Ramesh Balsekar.
Seine Worte wirkten auf mich wie ein Blitzschlag. Sofort
rief ich meinen Ehemann John in England an und platzte heraus:
"Das ist es! Das ist es! Ich habe jemand gefunden, der
es in die richtigen Worte bringt!"
Als John von seiner Vortragsreihe zurückkehrte, begannen
wir, Ramesh zusammen zu lesen. Dann, als ich eines
Tages nachhause kam, erwartet mich ein lächelnder John mit
den Worten: "Ich habe ihn gefunden! Er lebt in Bombay, und
hier ist das Flugticket. Du fährst hin, um ihn zu treffen."
Das sagt alles über den Mann, den ich geheiratet habe —
ein wahres Geschenk.
Meine Abneigung gegen Gurus rastete sofort ein und ich
bestand darauf, daß es völlig unnötig wäre, Ramesh zu
sehen. "Ich habe seine Bücher, wozu sollte ich ihn dann
noch sehen? Ich brauche keinen Guru!" Aber dann war ich doch da,
auf Rameshs Türschwelle, und mir gegenüber ein kleiner,
drahtiger Herr mit leuchtenden Augen und einem Lächeln,
das das härteste Herz zum Schmelzen brachte.
Zu meinem Schrecken brach ich in Tränen aus. Innerhalb einer
halben Stunde ertappte ich mich, wie ich sagte: "Ich verstehe das nicht. Ich hatte so eine merkwürdige Vorstellung von Gurus. Jetzt fühle ich mich, als wäre ich
zugleich ganz in Sie verliebt und bräuchte Sie doch nie wieder zu sehen. Ich hatte immer angenommen, daß Leute, die zu Gurus gingen, abhängig wären."
Ramesh schmunzelte und sagte: "Das ist es, was echte
Liebe ist: frei von Abhängigkeit." Im selben Moment war klar,
daß die überwältigende Liebe, die ich verspürte, nichts mit
dem Herrn zu tun hatte, der vor mir saß.
Da ich in der Regenzeit angekommen war, hatte Ramesh keine
Besucher. Er nannte das seine "Flautenzeit". Neun Tage lang ging ich jeden Morgen um zehn zu seinem Appartement. Schon zwei Stunden vorher und während der
Zeit meiner dortigen Anwesenheit kam ich mir vor, als würde jedes Atom meines Körpers mit hundert Stundenkilometern vibrieren. Ich war sicher, daß ich überall schlottern würde,
obwohl es kein äußeres Anzeichen dafür gab.
Zuerst fragte Ramesh mich, warum ich gekommen sei. "Nun, mein Ehemann hat mich hergeschickt", murmelte ich unbeholfen. Dann rutschte mir heraus: "Es scheint mir,
als würde ich in Anwesenheit von anderen Menschen Aspekte meiner Persönlichkeit sehen,
die ich mag oder nicht mag. Ich dachte, daß ich in Ihrer Anwesenheit,
ohne die Falschheit der Persönlichkeit, ein Blick auf mein
wahres Selbst werfen könnte. Soviel ich verstehe, ist alles,
was ich tun kann, mich hinzugeben, und daß nicht mal
'Ich' das tun kann. Also, was nun?"
Als Ramesh zu sprechen begann, unterbrach ich ihn mit großer
Dringlichkeit und fragte: "Lehren Sie auch durch Schweigen?"
Ich wußte, daß Ramana oft so gelehrt hatte, und ich befürchtete, daß mir mein Verstand in die Quere kommen würde, wenn mir Worte zuteil werden würden.
Ramesh kicherte und sagte: "Nun, normalerweise rede ich, aber wir können auch in Schweigen sitzen, wenn Sie das vorziehen." Also saßen wir still, und mein Unbehagen und meine Befangenheit wurden mir schier unerträglich.
Ramesh lachte und begann damit, die Lehren zu erklären,
aber die meiste Zeit über unterhielten wir uns einfach.
Er erzählte mir von seiner Reise nach Amerika und fragte
mich nach meinem Leben. Die ganze Zeit über schmerzte mein
Herz mit einer Intensität, wie ich sie noch nie erfahren hatte.
Es heißt, die Worte eines Guru seien wie Pfeile ins Herz.
In diesem Fall wirkten sie eher wie Handgranaten. Ich war
sicher, mein Herz würde explodieren und ich würde nach
vorne überkippen und sterben.
Das hielt vier Morgende so an. Die ganze Zeit über
strömten Tränen aus meinen Augen, während Ramesh kicherte
und mir Kleenex herüberreichte. Woran ich mich am besten
erinnern kann, das ist, wie er seinen Kopf schüttelte und
sagte: "Oh, Esther, liebe Esther." Das erinnerte mich an
meine Mutter, meine Großmutter und an die Nonnen in der
Klosterschule, wohin ich als Kind gegangen war.
Sie alle sagten stets, daß sie keine Zeit zum Beten
hätten, weil sie so viel damit beschäftigt waren, für
mich zu beten.
An diesem vierten Morgen verließ ich Ramesh und machte mich
auf zu meinem Hotel. Da, in der Mitte des übervölkerten und
lauten Bombay, brach ich plötzlich in unkontrollierbares
Gelächter aus. Für den Rest des Tages weinte und lachte ich
und mein Herz, das sich so eingeengt gefühlt hatte, schien
sich nicht mehr innerhalb meines Körpers zu befinden.
Am nächsten Tag fragte mich Ramesh, was passiert sei, und
als ich es ihm erzählte, lächelte er und sagte: "Ja."
Als ich ihn dann fragte, ob sich mein Herz wieder schließen
würde, sagte er: "Nein, niemals mehr."
Als ich mit John telefonierte, konnte ich nichts anderes als
immer wieder zu wiederholen: "Nichts spielt mehr eine
Rolle, überhaupt nichts spielt mehr eine
Rolle." Johns Antwort war: "Es ist passiert, du bist
erwacht!" Woraufhin ich ihm versicherte: "Nein, sei nicht
dumm, das würde mir niemals passieren. Und außerdem,
sogar das spielt keine Rolle mehr."
Während meiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten
wuchs mein Gefühl von Apathie, von Teilnahmslosigkeit.
Zuerst war es wunderbar, aber dann traf mich die
tiefste, dunkelste Depression meines Lebens. Alles,
was ich noch denken konnte, war: "Ramesh hat sich
geirrt; mein Herz schließt sich wieder."
Zuerst sah es so aus, als wäre alles wichtig, aber
alles, was wichtig war, war, daß nichts wichtig war.
Im Rückblick erkenne ich jetzt, daß das "Ich", das sich
um das Leben kümmerte (sorgte), ganz verschwunden war.
Was übrig geblieben war, das waren Gewohnheitsmuster,
die mir sagten, daß Apathie schlecht sei und daß
ich mich kümmern müßte.
Ein anderes Gewohnheitsmuster war genau so stark.
Seit meiner Kindheit hatte ich es so verstanden, als sei
"Gott" überall und in allem. Das machte völligen Sinn
für mich und es hatte mich in Frage stellen lassen, wenn
Leute einander aburteilten.
Wie könnte einer grundsätzlich "schlecht" oder
"besser" als irgendjemand anderer sein? Unglücklicherweise
glaubte ich, daß die einzige Person, in der "Gott" nicht
sei, ich selbst wäre. Zwar nicht sehr logisch, aber der
Verstand gewöhnt sich mit zunehmendem Alter an so etwas.
Während des zweiten Jahres meiner Depression, obwohl immer
noch mit einer begrenzten Konzentrationsfähigkeit,
begann ich zu schreiben. Mein (unveröffentliches) Buch
hatte den Titel: "Wer? Kümmert."
Penibel untersuchte ich jede starre Annahme und jedes
Konzept, das mir in den Sinn kam. Jeden Tag saß ich mit John
zusammen und las ihm mein jüngstes Kapitel vor. Was ich
nicht begreifen konnte, das war, weshalb solch eine
müheloses Klarheit da war, obwohl ich offenbar noch
"schlief". Solange das Schreiben da war, gab es keine
Depression. Das war Anreiz genug, es fortzusetzen.
Nach vierhundert Seiten stoppte das Schreiben und die
Depression kam zurück. Ungefähr um diese Zeit packten
wir unseren Zoo von Hunden und Katzen zusammen und
siedelten nach Florida über. Nach fünf Jahren auf dem
Land, mit Johns oftmaligen Reiseabwesenheiten, war die
Erfahrung der Großstadt sehr eigenartig.
Es änderte sich nicht viel, weil ich nur selten vor
die Haustür ging. Immerhin lehrte ich nun wieder Reiki
und Durchbruchs-Kurse. An einem Wochenende, als ich zuhause
lehrte, geschah es am zweiten Tag, daß ich mein ganzes
Körpergefühl verlor. Ich war so desorientiert, daß ich
mich entschuldigen mußte und mich hinlegte. An einem Punkt
hörte mein Verstand komplett auf zu funktionieren und ich verfiel in
einen stark veränderten Zustand.
An einem anderen Punkt fand ich mich dabei, wie ich
unzusammenhängend sprach und einfach stillsitzen mußte.
Es war alles sehr verwirrend.
Dann, in jener Nacht, entstand in meinem Kopf ein erhöhter
Druck, so daß er sich an der Oberseite wie ein Dampfkochtopf
anfühlte. Ich fühlte mich äußerst benebelt und widerlich,
und das Pochen in meinem Kopf war erschreckend. Ich
interpretierte die Erfahrung als das Kundalini-Phänomen,
das ich schon öfters gehabt hatte, aber niemals so stark.
Am nächsten Tag hörte ich meiner Freundin Elaine zu,
die uns von England besuchen gekommen war. Nachdem sie
etwas in meinem Buch gelesen hatte, fragte sie: "Dir ist
alles gleichgültig geworden. Heißt das nicht, daß das 'Ich'
verschwunden ist?" Ich mußte keine Sekunde überlegen,
um zu antworten: "Natürlich ist das 'Ich' noch da.
Es ist ziemlich stark da. Zumindest denke ich das."
Während der nächsten Stunden murmelte ich fortwährend:
"Nein, das 'Ich' ist sicher noch ziemlich stark und aktiv.
Ganz sicher!" Dann wurde mir klar, daß alles, was man
sich so beständig einprägen muß, auf
einen unterschwelligen Zweifel hinweist. Nun begann ich,
zu untersuchen, was es bedeuten würde, wenn das "Ich"
fort wäre. Natürlich würde das bedeuten, daß keine
Anteilnahme mehr da wäre — "aha!"
Mit diesem Ansatz saß ich nun da und brachte den ganzen
Nachmittag damit zu, mir Dinge vorzustellen, bei denen ich
mich schuldig fühlen würde. Ich dachte über Dinge nach,
die mich leicht dazu bringen würden, mich zu ärgern.
So stark ich es auch versuchte, der Verstand fiel dennoch nicht
auf den Köder herein. Dann malte ich mir die schrecklichsten
Szenen aus — daß John in einem fürchterlichen Unfall
sterben würde, oder daß meine Hunde getötet würden.
Mit meiner lebendigen Einbildungskraft war es mir immer
sehr leicht gefallen, mich in bestimmte emotionale Zustände
hineinzuversetzen. Aber diesmal war der Verstand einfach nicht
bereit, sich in irgendeine emotionale Beteiligung verwickeln
zu lassen.
In meiner Verzweiflung stellte ich mir sogar vor,
wie mich jemand in einem fremden Land zwingen würde,
lebende Schlangen zu essen. Man kann sich kaum vorstellen,
wie weit ich darin ging, irgendeine Verwicklung zu finden,
irgendetwas von dem, wovon ich mich so lange hatte befreien wollen.
In den nächsten Tagen brach einfach Gelächter aus mir heraus.
Über die folgenden Wochen gab es mehrere sogenannte "Gipfel-Erfahrungen".
Eine Woche war nur Glückseligkeit da, pure Freude.
Hiermit war klar, daß ein Großteil des "Ich" verschwunden war,
aber ich wußte, daß solche Gefühle von Glück und Dankbarkeit
immer noch von "jemand" erfahren wurden. Es war klar,
daß diese Zustände nicht "es" waren. Etwas geschah, aber
"jemand" genoß die Ergebnisse.
Ich entschloß mich, diesen Gefühlen keine Aufmerksamkeit mehr
zu widmen, anstatt sie zu genießen. Ich bemühte mich nicht,
sie festzuhalten. Diese Phase ist, wie ich jetzt verstehe,
etwas, das in der vedantischen Philosophie "Buddhi"
genannt wird. "Buddhi" heißt quasi Intellekt und kann während
eines Lebens in bestimmten Momenten aufblitzen.
In solchen Zeiten ist Glückseligkeit da und Spontaneität
im Reden und Handeln.
Vom Gesichtspunkt des Vedanta aus geschieht "Erwachen"
in verschiedenen Phasen. Ich hatte mich damit nie näher
auseinandergesetzt. Als diese Buddhi-Erfahrung geschah,
war einfach offenkundig, daß man sich nicht an sie binden
sollte.
Jedes Fallbeispiel von sogenanntem "Erwachen" stellt sich
unterschiedlich dar. Es hängt ab von der Natur der jeweiligen
Körper-Verstand-Einheit. Ziemlich häufig fallen Leute,
die in den Buddhi-Zustand gelangen, in die Falle, zu
meinen, sie hätten Erleuchtung "erlangt". Sie erwarten,
daß die Erleuchtung Glückseligkeit mit sich bringt, und
sie haben hier jeden Anhaltspunkt, zu denken, sie hätten ihr
Ziel erreicht.
Natürlich ist es so, daß, wenn das Selbst das ist,
was man "ist", gar nichts zu "erreichen" ist. Es ist nur
das "Ich", das Erleuchtung erstrebt. Wenn Erleuchtung für
sich selbst gesehen ein Ziel darstellt, dann nur, weil die
Person, die das erstrebt, etwas Besonderes sein will.
Wenn Buddhi geschieht und man die Erfahrung davon besitzt,
ist Stolz der schnellste Weg, um sie verschwinden zu
lassen. Denn es ist das "Ich", das Stolz und ein Gefühl von
Besitz empfindet. Oft hört man von Schülern, die darüber
lamentieren, daß die Glücksgefühle, die sie in der
Anwesenheit ihres Gurus empfanden, "verschwunden" wären.
Das Gefühl von Besitztum und der Wunsch, solche Erfahrungen
aufrechtzuerhalten, ist es, was einem den Weg versperrt.
Das "Ich"-Konzept taucht in all seiner Größe und Pracht
wieder auf. In diesem Fall wurde die Glückseligkeit als ein
neuartiger Zustand erlebt, also von "jemand" erfahren, und
sonst nichts.
Nach ungefähr einer Woche "trennte" sich diese Sicht nicht
nur von den Gefühlen, sondern auch vom Körper. Die Depression
kam wieder, aber es war klar, daß es nicht mehr "Ich" war, der
die Depression hatte. Es war einfach Depression da.
Alle möglichen seltsamen Phänomene traten im Körper auf,
und alles wurde aus der Perspektive des Zeugen (wie er
oft genannt wird) beobachtet. Der Eindruck war der, daß
da parallele Welten waren: ich und der Körper und andere
Objekte.
Das Überraschendste war, daß Gedanken auftreten konnten und
sofort abgeschnitten wurden. Es war, als ob jemand durch
Kanäle in meinem Verstand durchschalten würde und dabei ohne
weitere Anhaftung vom einen zum anderen wechseln könnte.
Meine Stieftochter Anja beschloß, daß sie ihrer Familie
gegenüber einfach sagen würde, ich hätte Alzheimer.
John erklärte, daß ich nun wirklich in die Rolle der
stereotypen Blondine verfallen wäre.
Es war eigentlich die "einfache Phase", denn alles
schien wie in einem Traum zu sein. Dann begannen eines Nachts
Gedanken an Gott aufzutreten.
Als ich bei Ramesh gewesen war, war Liebe zum Göttlichen
sehr stark gewesen. Trotz all meiner intellektuellen
Interpretationen war mir nur da klar gewesen, daß
Selbstverwirklichung bedeutet: Es gibt nichts mehr, wo diese
Liebe hingeleitet zu werden bräuchte.
Mir kamen Erinnerungsbilder, wie ich als Kind allein im
Wald gespielt hatte. Ich erinnerte mich an meine überwältigende
Freude, zu wissen, daß Gott überall und in allem war — wenn
auch nicht in mir.
Trotz all meiner intellektuellen Annahmen kam nun der Glaube
an Gott und die Liebe der Anbetung wieder an die Oberfläche.
So sehr es mich auch überraschte, kam doch die starke
Angst auf, daß Gott und "Ich" nicht-zwei sein könnten.
Ich fand mich auf einmal betend vor, während ich dieselben
Worte benutzte, die ich meine ganze Kindheit über benutzt hatte:
"Was auch immer geschieht, was auch immer geschieht." Ich
dachte, mein Herz würde brechen, und in diesem Augenblick
wurde die Leere "noch leerer" als zuvor.
Am nächsten Tag bemerkte ich, daß der Zeuge verschwunden
war. Es war nur noch eine starke Empfindung von "Ich bin"
übrig geblieben. Da war nicht mehr die Idee von
"Ich bin dies oder das", sondern nur "Ich bin".
Dann stieg die Depression wieder hervor und wurde diesmal
nicht mehr aus der Distanz beobachtet. Es gab keine
Bemühung mehr, irgendetwas zu unterdrücken oder zurückzuweisen.
Da war Depression, aber es spielte keine Rolle, obwohl mein
Verstand immer noch dadurch beeinträchtigt war.
Da war die totale Überzeugung: "Ich bin weder dies noch
das", und damit kam zugleich der Eindruck, im Gefängnis
zu schmoren. Während er im Wind pendelte, drehte sich
mein Verstand in seinen gewöhnlichen verrückten Kreisen,
um zu verstehen, was da gerade geschah.
Dann wendete sich der Eindruck von "Ich bin" zu "Ich bin
NICHT das Selbst". Der Verstand spielte verrückt bei
dem Versuch, das alles zu begreifen. Da schien keinerlei
Anteilnahme mehr zu sein, aber das Selbst, das ich
gesucht hatte, war nun auch nicht mehr erkennbar. Der
Verstand zog daraus den Schluß, daß der Sucher demnach
also doch nicht vollends verschwunden sei.
So aufmerksam wie immer, und mit einer klaren Wahrnehmung
dessen, was geschah, verfrachtete mich John in ein
Appartement am Meer. "Du brauchst Einsamkeit", riet er
mir. Ich konnte nachvollziehen, weshalb ich Distanz
zu anderen brauchte.
Jedes Mal, wenn ich packte und zu meiner eleganten
Einsiedelei reiste, registrierte ich, welch traumatische
Erfahrung das für den Körper war. Ohne "Ich", um sich
daran zu orientieren, fühlte sich der Körper die
meiste Zeit über desorientiert. Während ich mit anderen
zusammen war, gab es eine geduldige Ungeduld, weil der
relative Prozeß zu stoppen schien. Sobald ich aber alleine
war, setzte er sich fort.
Leute, die mich fragten, was ich in meinem "Rückzug"
machte, waren überrascht zu hören, daß ich Zigarren
rauchte, fern sah und Computerspiele spielte. Es ist dieses
starre idealistische Muster vom meditierenden, vegetarischen und
disziplinierten menschlichen Wesen, das so oft das größte
Hindernis ist, um sich selbst zu erkennen.
Das ist der Grund, warum die Mehrheit "jener", die
"erwacht" sind, zuerst all das ausleben mußten, was sie
am meisten an sich selbst abgelehnt hatten.
Das ist sicher auch mein "Weg" gewesen.
Während mein Körper einige recht traumatische Erscheinungen durchlebte, durchlief auch der Verstand seinen Prozeß. Er war nicht bereit, seinen Drang aufzugeben, all das sich selbst gegenüber zu erklären. Schließlich, indem er an seine Grenzen gelangte und seine grundsätzliche Verrücktheit sehen mußte, hörte er mit dem Fragenstellen auf. Dann ebbte der Eindruck von "Dasein" nach und nach ab und alles, was übrig blieb, war das Eindruck, daß "Bewußtheit", oder "Erfahren", alles ist. Aber das sind nur
Worte, die das verfehlen, was nicht in Worten zu sagen ist.
Es fällt mir jetzt schwer zu erklären, was ich damit meine, daß der Eindruck von "Dasein" weggefallen sei. Diese
ganze Geschichte erscheint mir jetzt so fremdartig. Vielleicht besteht die beste Erklärung darin, daß dieses
"Dasein" einen Eindruck von "Substanz" oder Abgegrenztheit mit sich bringt. Als das verschwand, gab es nur
noch Natürlichkeit.
Weil sich das so natürlich, so gewöhnlich anfühlte, dachte ich immer noch, nichts wäre erkannt worden.
Und man kann es so sagen: 'Nichts' war erkannt worden. Mit der totalen Erkenntnis dessen, was ich NICHT
bin, blieb 'nichts' übrig. Und da das 'Ich' sicher niemals wirklich gewesen war, war natürlich auch nichts
geschehen.
Als die Subtilität der Wirklichkeit erfahren wurde, wurde mir klar, daß ich, trotz vorangegangener
intellektueller Erklärungen, erwartet hatte, das "Erwachen" würde ein erheblich veränderter Zustand sein.
Als jedoch dessen Natürlichkeit verstanden wurde, wußte ich, daß die "Ich"-Idee jener veränderte Zustand gewesen war.
Ich erinnere mich an das, was mein Lehrer Wendell geschrieben
hatte: "Das Verschwinden des 'Ich' wird immer nur
nachträglich wahrgenommen." Und ich erinnere mich auch
an meine Gedanken: "Keine Chance. Wenn ich eines Morgens
aufwache und Esther verschwunden ist, werde ich es
sofort wissen und so glücklich sein!"
Es ist eine falsche Vorstellung, daß ein sofortiges Verständnis da wäre, wenn die falsche Identität erkannt wird.
Das scheint für einige Instanzen der Fall zu sein, aber in diesem Fall gab es erst eine sehr verspätete Realisierung hiervon.
Die Subtilität der Wirklichkeit ist ein enormer Kontrast zu der Dichte, die erfahren wird, wenn das "Ich" damit
identifiziert ist. Es ist klar, daß "mir" nicht "wirklich" etwas widerfahren ist, aber das bedeutet nicht, daß das relative Erfahren endet. Die objektive Welt wird erfahren wie zuvor, aber das "Wissen" ist da, daß nichts "ist", wie es erscheint.
Relativität (die objektive Welt) ist nur eine Erscheinung in der Wirklichkeit.
Wenn erkannt wird, daß Relativität NICHT die Wirklichkeit ist, wird klar, daß nichts
wirklich passiert ist.
Relativ gesprochen geschieht jedoch eine ganze Menge. Die Veränderungen sind dramatisch, positiv und auch
traumatisch. Da der Körper immer noch erfahren wird, werden auch alle Veränderungen erfahren, die ihm
geschehen. Der Unterschied ist aber, daß "niemand" sie als persönlich betrachtet. Jedoch können sie erfreulich sein.
Während man mit dem Körper identifiziert ist,
werden Gefühle unterdrückt und verursachen
"Festhalten" im Körper. Das wird als Anspannung
empfunden, an die sich die meisten Leute so
gewöhnt haben — sie meinen, ihre Wahrnehmung
des Körpers wäre natürlich.
Als dieses Festhalten sich in meinem Körper auflöste,
war es nachträglich verblüffend festzustellen,
wie angespannt der Körper sich immer angefühlt hatte.
Kein Aufwand an Stretching und Entspannung hatte
meinen Körper jemals dazu gebracht, sich zu fühlen,
als würde er schmelzen. Jetzt kann die körperliche
Wahrnehmung nur als durchsichtig und leicht beschrieben
werden.
Der Verstand ist der Spiegel des Bewußtseins.
Während das "Ich" als real betrachtet wird, kann man
sagen, daß der Spiegel an Klarheit mangelt. Wenn
der Einblick geschieht, daß die Relativität NICHT
die Wirklichkeit ist, kann der Verstand nicht begreifen,
was passiert ist. Dennoch ist er der Mechanismus, in dem
die Erfahrung des Einblicks reflektiert und registriert
wird.
Es ist für die Leute sehr schwer zu verstehen, daß
der Verstand von Natur aus friedlich ist. Den meisten
erscheint der Verstand als Feind und als etwas, wogegen
gekämpft werden muß. Aber der Kampf geschieht mit der
Involvierung, nicht mit dem Verstand.
Wenn die falsche Identität wegfällt, wird keine
Erfahrung mehr zurückgewiesen oder festgehalten.
Keine Erfahrung wird als wichtig oder erstrebenswert
eingestuft. Es ist niemand mehr da, der irgendetwas
erstrebt und es liegt genau so viel Frieden darin,
Geschirr zu spülen, als auf dem Mt. Everest zu
stehen und von dort den Sonnenuntergang zu betrachten.
Alle Erfahrungen oder Gefühle, ganz gleich, wie stark
sie sind, kommen auf und verflüchtigen sich leicht wieder
in Frieden.
Der Verstand tut seine Aufgabe, er plant, denkt, aber ist
grundsätzlich friedlich und ohne Anhaften.
Das Gefühl von Zeit, das all dem voranging, ist
verschwunden. Jede Erfahrung hat etwas Neues, weil sie
nicht von alten Erinnerungen verfärbt wird. Es ist,
als wäre die ganze Geschichte, und die Geschichte der
Pseudo-Identität, die dem voranging, erst vor einem
Augenblick geschehen.
Wissen entsteht aus Erkennen und wird personalisiert (und es gibt kein Erkennen des Selbst). Wenn das Konzept des Persönlichen verschwindet, bleibt nur noch Erkennen übrig. Selbst-Verwirklichung bedeutet Abwesenheit eines Wissenden oder Gewußten. Es gibt keinen Erkennenden des Selbst. Es gibt kein Selbst zu erkennen.
Das Erkennen geschieht jenseits von Worten, aber das Nächste, was man mit Worten erreichen kann, ist, daß nur noch Bewußtheit oder Erkennen bleibt. Als dieses Erkennen "geschah", erhob sich der Gedanke: "Was ist die Quelle des Erfahrens"? Um diese Frage entstehen zu lassen, schien es, daß das "Ich" (Individualität oder angeborene Persönlichkeit) übrig geblieben war, identifiziert als Erfahren.
Anders als das "Ich"-Objekt, das danach verlangte,
das unpersönliche Subjekt zu werden, strebte das
einfache "Ich" nicht nach seiner Quelle. Da war
einfach nur noch ein Fragen.
Wenn das Selbst "verwirklicht" ist, orientiert sich das
Erkennen immer noch an Körper und Verstand.
Da gibt es nicht mehr diesen Eindruck vom Körper als
Behälter der Gewahrsamkeit, aber Körper und
Verstand sind immer noch die Mechanismen, die dieses Erkennen
ausrichten.
Wenn der Verstand nicht mehr die falsche Persönlichkeit
reflektiert, kann man sagen, daß der Intellekt ein klarerer
Spiegel ist, der das Erkennen des manifesten Selbst
reflektiert.
Das Verständnis ist da, daß das manifeste Selbst und das
Absolute nicht-zwei sind. Jedoch, solange Verstand,
Körper und Erkennen nicht transzendiert sind, ist dieses
"Verständnis" eben nur das: ein Verständnis.
Das Absolute (das Nicht-Manifeste oder Para-Brahman),
in dem das manifeste Selbst entsteht, benennen zu wollen hieße,
etwas in Worte fassen zu wollen, worüber nicht
gesprochen werden kann. Nur wenn alle Konzepte,
einschließlich des "Ich", transzendiert sind, kann das,
was jenseits von Konzepten ist, "erkannt" werden.
Dein erstes Augenmerk als "Sucher" ist, das "Ich bin"
ohne Worte zu verwirklichen. Wenn alle Etikettierungen und
Identifizierungen fortgefallen sind, ist dies erst der
erste "Schritt". Was nach dieser Stufe geschieht, das ist
das Vertiefen der Leidenschaftslosigkeit, der neutralen
Unvoreingenommenheit,
während der Verstand sich weiter nach "innen" richtet.
Es ist ziemlich absonderlich, das alles in Worte fassen zu
wollen, und es ist ganz eindeutig nur die Beschreibung eines
relativen Prozesses. Jedoch waren vor dieser ganzen
Geschichte etliche falsche Vorstellungen darüber vorhanden, wie
sich dieser Prozeß abspielen würde.
Vielleicht helfen diese Notizen dem Leser, seine
gegenwärtige Erfahrung des Selbst in eine klarere
Perspektive zu rücken.
Ohne das innere Zensieren drückte sich das natürliche,
angeborene Wesen nun dynamischer aus. Dann verlor
sogar diese Wesensart nach und nach an Begrenztheit.
Mit dieser relativen Veränderung verschwanden alle Fragen.
Der Verstand wurde immer friedlicher.
Zuerst hatte ich selbst kein Gefühl für die Persönlichkeitsveränderungen,
die eintraten. John und nahe Freunde
empfanden jedoch, daß diese Veränderung deutlich wahrnehmbar war.
Ich fand es seltsam, daß sie Bestürzung über diesen
"Verlust" äußersten.
Dann, während ich eines Tages einen Durchbruchs-Workshop gab,
bemerkte ich, wie gewohnt ich gewesen war, mich auf eine
schwungvolle Art mitzuteilen. Auf einmal erschien es
völlig unpassend, ja unmöglich, noch weiter auf diese Weise zu agieren.
Der Schwung, mit dem ich mich auszudrücken gewohnt war,
kam mir nun fremd und ziemlich anstrengend vor.
Wenn die Wesensnatur ihre Begrenzung zu verlieren beginnt,
ist es die Gewohnheit der Interaktion, die fortfällt.
Jeder kommt mit natürlich angeborenen Wesensmerkmalen
auf die Welt. Wenn die Interaktion mit der Umwelt
beginnt, werden diese Eigenschaften zunehmend
dynamisch. Das geschieht sogar noch bevor der Charakter
sich entsprechend den Reaktionen der anderen zu formen beginnt.
Als die Dynamik hinter der Interaktion sich
veränderte, interpretierte mein Verstand das als Virus.
Das heißt, mein Körper fühlte sich an, als wäre da
im Innern eine Schwäche. Mein Körper wechselte von einem
Zustand der äußersten Vitalität und Leichtigkeit über zu
einer starken Schwäche und meine Glieder fühlten sich
schwer und taub an.
Nun wurde mir klar, daß der Verstand die schwungvollen
Ausdrucksroutinen als Zeichen von Stärke interpretiert hatte.
Als die Dynamik sich allmählich verabschiedete,
deutete der Verstand das, als sei der Körper nun krank.
Sobald diese Fehldeutung durchschaut war, gewann der Körper
neue Vitalität und der Prozeß setzte sich fort, und
setzt sich bis heute fort. Diese relative Veränderung
hat mir auch nachträglich deutlich gemacht, wie viel
unnötige Kraft bei Interaktionen verschwendet wird.
Das heißt nicht, daß andere mich als "Pflanze" wahrnehmen.
Es ist jetzt Neutralität da, mit der das Zuhören
vollständig und aufnahmebereit ist. Vom Standpunkt dieser
Neutralität aus geschieht weiterhin Interaktion, aber
ich nehme sie eher wie Kräuselungen auf einem Teich wahr.
Es gab keinen "wirklichen" Unterschied mehr zwischen
mir und anderen, wie es vorher gewesen war. Jedoch
wurde bis dahin die Einzigartigkeit des Ausdrucks
mittels dieses Körpers als von
anderen Körpern abgegrenzt erfahren. Nun ist selbst
diese Abgegrenztheit weniger deutlich.
Wenn es keine Interaktion gibt, verschwinden die
"Kräuselungen" und es ist nur noch Stille da.
Im Verstand kommen immer noch Gedanken auf, aber mit
verminderter Häufigkeit. Gefühle kommen immer noch
auf, aber spärlich und mit geringerer Heftigkeit und kurzer Dauer.
Es ist wichtig, zu verstehen, daß alle diese Sätze nur einen relativen Prozeß beschreiben. Dieser Prozeß ist bezogen auf ein spezielles Beispiel und ist keine Gebrauchsanweisung für "Erwachen". Es ist nur eine Beschreibung der relativen Veränderungen, die Körper und Verstand durchlaufen können. Sie sind ohne Bedeutung, denn die Wirklichkeit ist davon unberührt.
Sogar die Beschreibung von relativen Prozessen ist gefärbt durch die besondere Art, wie dieser spezielle Körper-Geist-Mechanismus sich ausdrückt.
Es muß verstanden werden, daß jede Mitteilung, die geschieht, ein Filtern der Wahrheit bedeutet. Die Wahrheit kann nicht ausgedrückt werden.
Andere mögen diese Geschichte als hilfreich
empfinden, auch wenn ihr Prozeß anders aussehen mag.
Dein Verstand mag jetzt noch sehr stark in die eigene persönliche Geschichte involviert sein. Wenn du dich als Sucher betrachtest, denke daran, daß der Wunsch, bewußter zu werden und mehr zu wissen, ein falsches Ziel ist. Gewahrsamkeit ist alles,
und in ihr hat sich ein falsches Selbst-Gefühl etabliert. Deine tiefere Natur ist Spontaneität-Gewahrsamkeit.
Deine tiefere Natur ist das, was jetzt diese Gewahrsamkeit wahrnimmt.
Nichts wurde geboren, nichts stirbt.
Nichts hat einen eigenen (freien) Willen oder irgendeinen Zweck.
Nichts ist jemals wirklich geschehen.
Wenn du das jetzt nicht "erkennst", dann nur, weil du an etwas anderes glaubst.
Das einzige "Ziel" ist, alle Ziele aufzulösen. Das wird nicht geschehen, solange du darauf abzielst, "etwas" zu werden. Die Vorstellung von Zielen ist trotz deiner selbst aufgekommen, und sie kann nur trotz deiner selbst wieder verschwinden.
Das Selbst ist kein Ziel, das "du" erreichen kannst. Es gibt keinen Sucher und nichts Gesuchtes. Diese Konzepte sind nur möglich geworden aufgrund
des Wahrnehmungsprinzips, das ihnen voranging und in dem sie erscheinen.
Zwischen Sucher und Gesuchtem ist Sehen, Hören, Erkennen, Sein. Wenn du das wirklich verstehst, ist alles, was bleibt, das Leben so zu leben, wie es "ist".
Schweigen
Aus dem schwangeren Schweigen
wird Nichts geboren.
Niemand hört die Worte,
die Es füllen,
und keine Worte können
das Schweigen beschreiben,
das sie füllen.
Durch Lärm unterbrochen,
bleibt Schweigen unberührt.
Aus sich selbst geboren,
wird Nichts erschaffen.
Wenn Lärm in Schweigen verebbt,
was hat sich da verändert?
Nichts ist geschehen.
Englischer Originaltext:
Meeting Ramesh
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